"Man würde den Teufel mit dem Beelzebub austreiben"

Veröffentlicht am 08.07.2008 in Bundespolitik

Ute Vogt lehnt eine Verlängerung der beschlossenen Restlaufzeiten für Atomkraftwerke ab. Die Nutzung der Atomkraft sei keine nachhaltige Lösung für die Energieprobleme, betonte die SPD-Landesvorsitzende im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten.

Frau Vogt, weicht Erhard Eppler die atompolitischen Beschlüsse der SPD auf?

Ute Vogt: Ich habe den Eindruck, Eppler versucht der CDU eine Brücke zu bauen und sie zum endgültigen Ausstieg zu bewegen. An seiner grundsätzlichen Ablehnung der Atomkraft ändert sich dadurch nichts. Es kommt ihm vielmehr darauf an, die Atomkraftnutzung per Grundgesetz abzuschaffen.

Um den Preis einer Laufzeitverlängerung?

Ute Vogt: Mir persönlich wäre dieser Preis zu hoch. Ich hätte einen solchen Kompromiss deshalb nicht angeboten. In dieser Legislaturperiode wird ohnehin nicht am Ausstieg gerüttelt und die Wähler können ja dafür sorgen, dass das auch später so bleibt. Denn wenn die SPD weiterhin in der Regierung ist, wird es keine Atomkraftnutzung geben.

Erwarten Sie jetzt eine Debatte in der SPD über diese Frage?

Ute Vogt: Es gibt in der SPD darüber keinen Streit. Die breite Mehrheit in der Partei steht zum Ausstieg und der wird auch für künftige Regierungsmitglieder ein zentraler Punkt bleiben.

Was spricht denn überhaupt gegen eine Laufzeitverlängerung?

Ute Vogt: Zum Beispiel der zusätzliche Atommüll. Wir erleben derzeit im Forschungszentrum Karlsruhe, wie teuer es ist, atomaren Abfall zu entsorgen. Atomenergie hilft uns nicht, sondern schadet beim Ausbau der erneuerbaren Energie.

Aber das Abfallproblem muss doch ohnehin gelöst werden.

Ute Vogt: Wenn Sie zu Hause einen Mülleimer haben, ist der irgendwann voll. Für den Atommüll haben wir aber noch nicht einmal einen Mülleimer. Deshalb birgt jede Tonne mehr ein zusätzliches Problem.

Der Ausstiegsbeschluss ist Jahre her. Müsste die SPD angesichts der hohen Energiekosten nicht umdenken?

Ute Vogt: Auch Atomstrom ist teurer geworden. Außerdem erleben wir am Beispiel Erdöl, was es heißt, von fremden Ressourcen abhängig zu sein. Uran ist nur in begrenzter Menge und nicht in Deutschland zu finden. Man würde also den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Was wir brauchen, ist vielmehr zusätzliche erneuerbare Energie. Es gibt außerdem noch viel Potenzial beim Energiesparen, zum Beispiel in öffentlichen Gebäuden.

 

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