SWRinfo: SPD-Landesvize Breymaier kritisiert Prostituiertenschutzgesetz

Veröffentlicht am 05.10.2016 in Allgemein

„Frauen müssen für 30 Euro machen, was die Männer wollen“

Baden-Baden. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende von Baden-Württemberg, Leni Breymaier, hält das neue Prostituiertenschutzgesetz für nicht weitgehend genug. Zum Internationalen Tag gegen Prostitution sagte Breymaier in SWRinfo: „Das Gesetz anerkennt zunächst mal, dass es Zwangs- und Armutsprostitution gibt. Allerdings wird das Gesetz dem Ausmaß in keiner Weise gerecht.“

Breymaier ist zugleich Vorsitzendes des Vereins „Sisters“ in Stuttgart, der Frauen beim Ausstieg aus der Prostitution hilft. Nach ihren Worten hat sich das klassische Bild der Prostituierten komplett gewandelt: „Was wir feststellen, ist, dass es die normale Hure, die man im Kopf hat, wenn man über Prostitution redet, praktisch gar nicht mehr gibt. Wir haben 90 Prozent Frauen aus Osteuropa in Zwangs- und Armutsprostitution.“ Diese Situation werde auch das neue Gesetz, das nächsten Sommer in Kraft tritt, nicht ändern: „Wir hätten uns gewünscht, dass zum Beispiel auch die Polizei mehr Möglichkeiten hat, einzugreifen. Die steht quasi machtlos daneben. Und wir hätten uns auch gewünscht, dass die Frauen in der Prostitution regelmäßig die Pflicht haben, sich zu melden – und nicht nur einmalig anmelden müssen.“

Durch die Liberalisierung der Prostitution waren in den vergangenen Jahren viele Großbordelle, so genannte „Sauna- und FKK-Clubs“, entstanden. Laut Breymaier hat sich dadurch aber auch die Werteanschauung der Freier verändert: „Seit wir die so genannte Liberalisierung der Prostitution in Deutschland haben, gehen 18-jährige Abiturienten in der Gruppe ins Bordell und haben ihren Spaß für wenig Geld. Mit welchem Menschenbild schicken wir diese jungen Männer in die Welt hinaus? Junggesellenabschiede – da genügt es nicht mehr, dass man sich einfach besäuft, sondern man geht in der Gruppe ins Bordell und hat einen Riesenspaß. Die Frauen müssen für 30 Euro machen, was die Männer wollen.“

Wichtig sei es zwar, den Männern klar zu machen, dass es in der Prostitution Grenzen gebe – aber das werde kaum gelingen: „Wir hatten hier auch schon diese Plakataktion in Stuttgart, die so auf die Ehre der Freier zielt. Aber ich glaube, den Freiern ist das ziemlich wurscht, was wir da unter Ehre verstehen. Am Ende des Tages geht’s auch nicht nur um Sexualität, sondern es geht darum, Macht auszuüben gegenüber diesen Frauen.“

 

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