Neue Präventionskampagne der Polizei

Veröffentlicht am 03.02.2012 in Landespolitik

Innenminister Reinhold Gall: „Mit ‚Heimspiel’ frühzeitig, innovativ und im Verbund gegen Gewalt vorgehen“

Sozialministerin Katrin Altpeter: „Die junge Generation hat ein Recht darauf, dass wir sie darin unterstützen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden“

„Gegen Gewalt muss frühzeitig, innovativ und im Verbund vorgegangen werden. Das neue Medienpaket ‚Heimspiel’ richtet sich speziell an gewaltgeneigte junge Menschen. Das ist eine Zielgruppe, die für die Polizei erfahrungsgemäß schwer zu erreichen ist.“ Das sagte Innenminister Reinhold Gall am Freitag, 3. Februar 2012, im Kulturzentrum Stuttgart bei der Vorstellung der neuen Präventionskampagne der Polizei. Sozialministerin Katrin Altpeter ergänzte: „Es ist unser erklärtes Ziel, bei der Kinder- und Jugendpolitik die Rechte junger Menschen zu wahren. Kein junger Mensch darf der Gesellschaft verloren gehen. Die junge Generation hat ein Recht darauf, dass wir sie darin unterstützen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Besonders die gefährdeten und benachteiligten Jugendlichen und jungen Erwachsenen brauchen unsere Hilfe.“

Gall betonte, dass sowohl gewalttätige Übergriffe im öffentlichen Raum, als auch Jugendkriminalität und Jugendgewalt in den vergangenen Jahren in Baden-Württemberg zurückgegangen seien. Gleichwohl zeige die Realität, dass eine Gruppe stark kriminalitätsbelasteter Jugendlicher für eine Vielzahl von Gewalttaten verantwortlich sei. Diese Gruppe sei für die Polizei aufgrund der alterstypischen Distanz und zahlreicher Vorbehalte jedoch häufig nur bedingt erreichbar. Für viele dieser jungen Menschen stelle die Polizei sogar ein Feindbild dar. Auch die Bindung zur Schule sei, wenn überhaupt noch Schulpflicht bestehe, häufig nur sehr lose.
„Um das Medienpaket ‚Heimspiel’ erfolgversprechend einzusetzen, brauchen wir einen starken Partner der die Zielgruppe nicht nur erreicht, sondern auch ein vertrauensvolles Verhältnis zu diesen jungen Menschen hat. Mit der aufsuchenden außerschulischen Jugendarbeit wie Streetwork oder der Mobilen Jugendarbeit konnten wir die richtigen Partner gewinnen“, sagte der Innenminister.

Ministerin Altpeter: „Die Mobile Jugendarbeit richtet sich an junge Menschen, die durch herkömmliche Angebote oft nicht mehr erreicht werden und die von Ausgrenzung betroffen sind. Für diese jungen Menschen sind die Fachkräfte Ansprechpartner und Bezugspersonen, sie werden beraten und begleitet. Es ist mir daher ein großes Anliegen, sie weiter zu fördern.“ Erfreulicherweise sei der Landeszuschuss für die Mobile Jugendarbeit in den vergangenen Jahren deutlich erhöht worden, nicht zuletzt durch die Empfehlungen des Sonderausschusses im Landtag, der sich nach dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen gebildet habe. Sie wolle aber er- reichen, dass die Mobile Jugendarbeit noch weiter ausgebaut werde und die wenigen „weißen Flecken“ in Baden-Württemberg geschlossen würden.

„Ich denke, dass die Fachkräfte der Mobilen Jugendarbeit hervorragend geeignet sind, das Projekt ‚Heimspiel’ umzusetzen. Denn hier bestehen die notwendigen Kontakte und das notwendige Vertrauen“, sagte Altpeter. Wenn es gelänge, junge Menschen dazu anzuregen, über ihr Verhalten anderen gegenüber nachzudenken, sei schon ein großer Schritt in die richtige Richtung getan. „Dann ist vielleicht ein Umdenken nicht mehr weit und eine Abkehr von Gewalt und die Entwicklung von Mitgefühl möglich“, so die Ministerin.

„Das Medienpaket darf keinesfalls als isolierte Einzelmaßnahme gesehen werden, sondern als ein weiterer Baustein gegen Gewaltkriminalität. Das ist ein Ziel, das wir auch zukünftig offensiv und mit starken Partnern kon- sequent weiter verfolgen werden“, betonte Gall.

Kern des neuen Medienpaketes ist der Film „Heimspiel“, ein Abschlussfilm der internationalen Filmschule (ifs) Köln, der 2009 den „Preis der deutschen Filmkritik“ als bester deutscher Kurzfilm (Regie: Bogdana Vera Lorenz) erhalten hat. Er erzählt die Geschichte des Ethiklehrers Andreas Vossen (gespielt von Wotan Wilke Möhring), der seine Freizeit als Hooligan verbringt. Als ein neuer Schüler sein Doppelleben bedroht, beginnt ein Zweikampf, der den Lehrer in seiner beruflichen wie privaten Welt in die Enge treibt. „Heimspiel“ ist insofern kein typischer Präventionsfilm, da er nicht selbsterklärend ist und ohne rechtliche Appelle auskommt, doch gerade deshalb eignet er sich besonders, um mit der Zielgruppe der gewaltbereiten Jugendlichen und Heranwachsenden ins Gespräch zu kommen. Er bietet einen Anlass, dass sich junge Menschen aktiv mit dem Thema Gewalt und davon ausgehend auch mit der eigenen Lebenswirklichkeit auseinandersetzen. Dies soll zu einer bewussten Änderung der eigenen Einstellung und damit im besten Fall zu einer Verhaltensänderung führen, weshalb eine intensive Nachbesprechung des Filmes unter der Leitung entsprechender Fachkräfte unabdingbar für dessen Erfolg ist.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg hat die Kommunale Kriminalprävention als eines der ersten Bundesländer führend ausgebaut. Mit problemorientierten Projekten wie 'Heimspiel' soll ein Beitrag für mehr Sicherheit für den Bürger geleistet werden. Bei der Auftaktveranstaltung am Freitag, 3. Februar 2012, im Treffpunkt Rotebühlplatz, wurden von den Präventionsspezialisten des Landeskriminalamts circa 110 Multiplikatoren (80 Jugendsozialarbeiter und 30 Präventionsbeamte der Polizei) informiert und geschult. Drei weitere Veranstaltungen sind nahezu ausgebucht.

 

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