In der März-Ausgabe des Magazins VORWÄRTS nimmt die SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt Stellung zur laufenden Debatte um Integration in Deutschland
In der März-Ausgabe des Magazins VORWÄRTS nimmt die SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt Stellung zur laufenden Debatte um Integration in Deutschland
Die Brandkatastrophe in Ludwigshafen, bei der neun türkische Mitbürger ums Leben gekommen sind, hat die Debatte um Integration von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland forciert. Dabei ist bemerkenswert, dass die Diskussion nach dem erfolglosen Anti-Ausländer-Wahlkampf von Roland Koch in Hessen überwiegend nicht mehr von Schlagwörtern wie „deutscher Leitkultur“ einerseits und „Multikulti“ andererseits bestimmt wird, sondern dass endlich der Fokus gelegt wird auf die Frage, mit welchen Mitteln wir ein gutes Miteinander von Deutschen und Migranten in unserem Land anregen und pflegen können.
Der Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan nach dem Großbrand in Deutschland hat dazu gleichwohl einen zwiespältigen Beitrag geleistet. Ich finde, seine Worte, die er in Ludwigshafen gefunden hat, haben zunächst sehr zur Besonnenheit beigetragen. Seine späteren Äußerungen im Kölner Stadion waren dagegen wenig hilfreich, ja kontraproduktiv im Verständnis vieler Bürgerinnen und Bürger – ob mit oder ohne Migrationshintergrund.
Plädoyer für doppelte Staatsbürgerschaft
Erdogans dunkle Warnung vor Assimilierung der Türken geht sowohl an unseren unbestreitbaren Integrationsproblemen, als auch an der Befindlichkeit vieler Betroffener in Deutschland vollkommen vorbei. Denn das kulturelle Selbstwertgefühl vieler so genannter Deutschtürken ist doch viel diffuser, viel differenzierter ausgeprägt. Es ist schließlich nicht so, dass die Mehrheit ihre türkischen Wurzeln verleugnen würde. Aber auch wer sich nicht assimiliert, lehnt nicht gleichzeitig die neue Heimat in Deutschland ab. Genau das ist der Grund, warum ich nach wie vor für die doppelte Staatsbürgerschaft plädiere: Dadurch werden Wurzeln anerkannt, sie bedeutet aber auch das Bekenntnis zum deutschen Staat und seiner Verfassung.
Auch Erdogans Forderung auf türkische Schulen in Deutschland geht an den Notwendigkeiten vorbei. Ich bin nicht dafür, dass Lehrer aus der Türkei nach Deutschland geschickt werden, um türkische Privatschulen und Universitäten einzurichten. Solange ethnische Gruppen unter sich bleiben, gibt es auch keine Integration. Daher müssen wir unser staatliches Schulsystem reformieren, damit alle Kinder - unabhängig von ihrer Herkunft – echte Bildungs- und Aufstiegschancen bekommen! Eine Studie der Bosch-Stiftung hat ergeben, dass nur 10,1 Prozent der ausländischen Kinder in Deutschland die Hochschulreife erlangen, in Baden-Württemberg sogar nur 3,2 Prozent. Es ist erschütternd, wie wenige Kinder mit Migrationshintergrund hier eine Chance haben. Das müssen wir ändern!
Sprache ist der Schlüssel
Vor allem müssen wir bei der Sprache ansetzen. Kinder müssen bereits in den Kindertagesstätten Deutsch lernen, und das nicht nur in vereinzelten Modellprojekten. Dazu brauchen die Kindergärten natürlich entsprechendes Personal und die Mittel. Und ich bleibe auch bei meinem Vorschlag, über Türkisch als weitere Fremdsprache an den Schulen nachzudenken. Nirgends in Baden-Württemberg gibt es bisher diese Möglichkeit! Aber warum wird die Mehrsprachigkeit mit Englisch und Französisch als wichtige Qualifikation gefördert, Türkisch jedoch nicht? Für Italienisch, Spanisch oder Griechisch gibt es solche Angebote übrigens bereits an vielen Schulen.
Schließlich müssen wir an die Zukunft denken: Die türkische Wirtschaft verzeichnet erhebliche Zuwächse, die Türkei wird in absehbarer Zeit ein noch wichtigerer Handelspartner gerade für Baden-Württemberg sein, da können auch deutsche Schüler von Türkischkenntnissen profitieren. Natürlich ist entscheidend, dass ein solches Angebot dann auch deutschen Schülern offen stehen und Türkisch auch „auf Deutsch“ unterrichtet werden müsste (was bei Erdogans Vorstellungen nicht der Fall ist). Das wäre ein Beitrag zur Chancengleichheit, zur Integration und zu wirtschaftlicher Zukunftsfähigkeit!
Für mich steht fest: Ein gutes Miteinander, eine gute Zukunft von Deutschen und Migranten ist in allererster Linie eine Frage gleicher Bildungschancen. Das sollte auch jeder Wahlkämpfer beherzigen – ob in Deutschland oder in der Türkei.
Homepage SPD-Landesverband
René Repasi, MdEP Karlsruhe
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