Bericht der Schwäbischen Zeitung vom 17.09.2012
Kreis-SPD setzt auf Munzinger für Bundestagswahl
Gegenkandidat Jörg Bogenrieder, Staatsanwalt in Ravensburg, erhält nur 18 Stimmen, Munzinger kommt auf 52
Von Gabriele Hoffmann
WOLFEGG - Mit überwältigender Mehrheit setzte sich Hannes Munzinger aus Ravensburg bei der Wahlkreismitgliederversammlung der SPD am Samstag in Wolfegg gegen seinen Mitbewerber Jörg Bogenrieder durch. Bogenrieder hatte seinen Hut erst wenige Tage zuvor in den Ring geworfen. Der Kreisvorstand habe im Vorfeld viele Gespräche geführt, sich aber entschlossen keine Wahlempfehlung auszusprechen, eröffnete Felix Rückgauer die Versammlung. Die Leitung der Versammlung übernahm dann Rudolf Bindig, der selber über acht Wahlperioden die SPD im Bundestag vertreten hatte. Bindig äußerte seine Freude über zwei Repräsentanten für die Region und die hohe Zahl von 73 Anwesenden, davon 71 stimmberechtigte Mitglieder, die zur Wahl erschienen waren. Die 25 weiblichen Teilnehmer ergaben einen Prozentsatz von 35,2.
„Bei der Nominierung in Biberach waren es nur 28 Mitglieder“, konstatierte stolz über das rege Interesse im Kreisverband Ravensburg Otto Ziegler, Isny. Beide Kandidaten erhielten je 30 Minuten Redezeit, die sie nach eigenem Gusto einteilen konnten. Im Losverfahren positionierte sich Munzinger als erster Redner. Der 24-jährige Student der Volkswirtschaft in Heidelberg, Vizekreisvorsitzender und früherer Vorstand der Jusos, begann seine Ausführungen mit einem Rückblick auf den vor 100 Jahren am gleichen Datum stattgefundenen SPD-Parteitag in Chemnitz, der letzte Parteitag von August Bebel, der mit 26 Jahren in den Reichstag eingezogen ist.
Er wolle sich nicht mit Bebel vergleichen, so Munzinger, doch Jugend dürfe kein Hindernis im politischen Geschäft sein. Schließlich würden heute die Entscheidungen getroffen, die die Welt von Morgen bestimmen. Trotz eher musischer Interessen habe er das Studium der Volkswirtschaft gewählt, weil er verstehen wolle, was in der Weltwirtschaftskrise passiert. In seiner gut strukturierten Rede ging Munzinger von seiner Vita über die gegenwärtigen Probleme, nicht eingehaltene Versprechungen im Verkehr, bis zu seinen Zielsetzungen ausführlich ein.
Er beleuchtete die aktuelle Bundespolitik und ihre Auswirkungen im Kreis insbesondere. Munzinger steht für neuen Schwung in der SPD. Im Fall seiner Nominierung versprach er, Präsenz zu zeigen und Hausbesuche in allen 35 Gemeinden. Einen Schwerpunkt will er auf die Online-Medien Facebook und Twitter legen. Durch seine Tätigkeit im Wahlbüro von Finanzminister Nils Schmid habe er gute Verbindungen nach Stuttgart geknüpft. Rund zehn Minuten ließ Munzinger Zeit für Fragen. Er habe langen Atem und werde in Ravensburg bleiben, versicherte er. Er glaube aber, über die Landesliste ins deutsche Parlament zu kommen.
Jörg Bogenrieder, 51-jähriger Staatsanwalt in Ravensburg, hatte es nach Munzinger sichtlich schwer und konnte die Genossen nicht erreichen. Ausgestattet sicher mit hoher Sachkompetenz, aber kein Redner vor dem Herrn, verzettelte er sich anfangs zu viel in CDU-Befindlichkeiten. Ging dann auf seinen Lebenslauf ein, mit allen Facetten seiner Tätigkeiten. Gerade als er im Schnelldurchgang zu seinen Zielen kam, musste er von Bindig nach 31 Minuten Redezeit gebremst werden. Für Fragen und Diskussion blieb so keine Zeit mehr.
In der Aussprache, an der die Kandidaten sich nicht beteiligen durften, sprach sich SPD-Kreisrat Peter Clément aus Isny ausdrücklich für Munzinger aus, auch weil dieser den Mitgliedern Zeit zur Beteiligung gegeben hatte.
In der geheimen Wahl erhielt bei einer Enthaltung Jörg Bogenrieder 18 Stimmen und Hannes Munzinger 52. Als fairer Verlierer gratulierte Bogenrieder als einer der Ersten.
(Erschienen: SZ vom 17.09.2012)