"Der rote Seehas" und "100 Jahre SPD-Ortsverein Weingarten"

Veröffentlicht am 03.12.2007 in Ortsverein

Logo Der rote Seehas

Es ist zwar schon eine Weile her, das große Jubiläumsfest des Ortsvereins. Wir möchten trotzdem noch nachträglich einen Artikel bekannt machen, der dazu in "Der rote Seehas" erschienen ist. Dies gibt uns gleichzeitig Gelegenheit, auf diese lesenswerte Internetzeitung der SPD in der Bodenseeregion aufmerksam zu machen. Den entsprechenden Link finden Sie ab sofort rechts, im zweiten blauen Block.

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Hier ist der Beitrag von Willi Bernhard in "Der rote Seehas", Ausgabe Nr. 44 vom 14. April 2007

  • Hundertjähriges Bestehen der SPD Weingarten

Einer der aktivsten SPD-Ortsvereine in der Region Bodensee-Oberschwaben, Weingarten, feierte jetzt sein hundertjähriges Bestehen. Etwa hundert Mitglieder, Gäste und Anhänger der Weingartener SPD-Familie fanden sich zum Festakt im Kornhaussal ein und betrachteten die Exponate in einer eigens aufgebauten Ausstellung zur Geschichte der Arbeiterbewegung in der Kloster-und Hochschulstadt. Zum Jubiläum gratulierten persönlich Ute Vogt, die SPD-Landesvorsitzende, und der Weingartener Oberbürgermeister Gerd Gerber, im Vorwort zur Chronik auch der SPD-Parteivorsitzende Kurt Beck.

Der Weingartner SPD-Ortsverein ist am 30.Dezember 1906 gegründet worden, also gut 35 Jahre später als der Nachbar-Ortsverein Ravensburg. Schon 1838 hatte in Weingarten das neue Zeitalter des mittelständischen Gewerbes begonnen. Die Herstellung von Schrotmühlen, Futterschneid-maschinen, eine Baumwollweberei und eine Stickfabrik, eine Taschenuhren-fabrik sowie eine Papierfabrik an der Scherzach gesellten sich zu der schon um 1800 existierenden Maschinenfabrik in Altdorf-Weingarten. Keine Frage, dass diese Gewerbestruktur schon in der Mitte des 19.Jahrhunderts genügend Aktivisten mobilisieren konnte, die sich in Arbeiterbildungsvereinen für die Lösung der sozialen Anliegen der Beschäftigten einsetzten. 23 Arbeiter der Eisengießerei Stotz widmeten sich nach der Jahrhundertwende der Gründung eines weiteren sozialdemokratischen Vereins im mittleren Schussental nach Ravensburg in Weingarten. Doris Spieß, die heutige Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, würdigte ebenso wie OB Gerber die Verdienste der Aktiven um das Gemeinwohl in Weingarten, vor dem 2.Weltkrieg ebenso wie in der Nachkriegszeit. Gerber erwähnte das Misstrauen, das zu Beginn des 20.Jahrhunderts im deutschen Kaiserreich gegenüber der neuen Partei der Sozialdemokraten geherrscht habe. Der damalige Stadtschultheiss habe bei der Gründungsversammlung der SPD 1906 sicher kein Grusswort gesprochen. „Er hat halt nicht geahnt“, so Gerber, „welche Verdienste sich die Sozialdemokraten gerade in der Kommunalpolitik erwerben würden“. Dieses Misstrauen habe dann sicher zur Solidarität bei der SPD-Familie beigetragen. Ute Vogt rief ihre Parteifreunde im Kornhaussaal dazu auf, sich auch künftig in der Politik aktiv einzumischen. Die Jahre der braunen Diktatur beeinträchtigten die Arbeit der Weingartener SPD in erheblicher Weise. Doris Spieß ging auf das Schicksal des einzigen SPD-Stadtrates Isele ein, der am 20.März 1933, 3 Tage vor dem berüchtigten Ermächtigungsgesetz der Nazis, in Schutzhaft genommen wurde. Zahlreiche Dokumente zur Ortsvereinsarbeit mussten vernichtet werden, weil die neuen Machthaber auch in Weingarten alle Unterlagen und Protokolle der Orts-SPD konfiszierten. Den Genossen Josef Harrer und Georg Junginger ist es zu verdanken, dass 1945 der SPD-Ortsverein wieder ins Leben gerufen wurde. Ein gebürtiger Chemnitzer, Siegfried Börner, war 1951 aus der damaligen DDR nach Oberschwaben gekommen. Er ließ sich auf vielfältige Weise in die Pflicht nehmen: als Gewerkschafter, als Betriebs-und Aufsichtsrat bei der Maschinenfabrik Weingarten, als Sozial- und Arbeitsrichter, als Schöffe, als SPD-Gemeinderat schon 1955 und als Vorsitzender der Weingartener Orts-SPD. Sein Cousin Gerhard Börner war übrigens an der Neugründung der Chemnitzer SPD nach dem Kriegsende beteiligt. Mit besonderer Freude überreichte Ute Vogt dem heute 80jährigen Genossen Börner die SPD-Urkunde für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Partei. Sein Vater, Gerhard Börner, war ein erfahrener Eißengießer und ein eingeschworener Sozialdemokrat. Er bekämpfte vehement den von Moskau verordneten Zusammenschluss von Kommunisten und Sozialdemokraten zur SED in der früheren deutschen Sowjetzone (DDR). Der Vater wanderte dafür sogar ins Gefängnis. Der Sohn erklärte darauf hin seinen Austritt aus der Ost-SPD und flüchtete dann in den Westen. Ute Vogt ehrte neben Börner auch andere Jubilare wie den Genossen Karl-Alfred Schwaderer (für 40 Jahre SPD-Mitgliedschaft) und den früheren Bundestagsabgeordneten Rudolf Bindig (ebenso 40 Jahre in der SPD). Zur Sprache kamen bei dem stimmungsvollen Festakt auch einige erfolgreiche SPD-Initiativen in den vergangenen Jahreh: so der immer wieder vergeblich eingebrachte Antrag, eine Stadtbücherei einzurichten.Das soll im Jahr 2007 endlich in die Tat umgesetzt werden. Der Markt und das Ladenzentrum im Stadtteil Untere Breite sind ebenfalls auf intensive Bemühungen der 5köpfigen SPD-Fraktion zurückzuführen. Und die Krönung: Das Weingartener Kindernest, ein Haus, wo kleine Kinder von alleinerziehenden Müttern und Vätern ganztägig betreut und versorgt werden. Schon zu Beginn der achtziger Jahre hatte sich Helga Bayha, die SPD-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, intensiv für die Gründung eines Fördervereins und einer qualifizierten Kindertagestätte eingesetzt, misstrauisch beäugt und kommentiert von den schwarzen Kommunalpolitikern. Im Schössle, dem kulturgeschichtlichen Museum in Weingarten, kann die Ausstellung zu dem Jubiläum der SPD betrachtet werden.

W.Bernhard in "Der rote Seehas" Nr. 44 vom 14.04.2007

 

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