Am Freitag war Peer Steinbrück in Baden-Württemberg. Es war die dritte Station seiner Länderreise. Über 500 Menschen kamen abends nach Karlsruhe zur „Klartext mit Peer Steinbrück“-Veranstaltung, um mit dem SPD-Kanzlerkandidaten über ihre Wünsche, Anregungen und Fragen zu sprechen.
Per Steinbrück will im Falle eines Wahlsieges als erste Amtshandlung einen gesetzlichen Mindestlohn einführen. Danach stehe ein Gesetz zur gleichen Bezahlung von Männern und Frauen auf dem Programm sowie die Abschaffung des Betreuungsgeldes. „Das wird dann das Gesetz mit der kürzesten Haltbarkeit in der deutschen Geschichte sein.“
Das Betreuungsgeld soll erstmals Anfang August an Familien gezahlt werden, die ihr Kleinkind nicht in einen Kindergarten schicken. Dieser Termin sieben Wochen vor der Bundestagswahl sei „unverschämt“, sagte Steinbrück. Die schwarz-gelbe Bundesregierung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hätte bei einem so umstrittenen Projekt beachten müssen, dass sich die Mehrheiten schnell ändern können.
Steinbrück verteidigte die unter dem früheren SPD-Bundeskanzler Gerhard Schröder umgesetzte Reform ‚Agenda 2010’. „Wir hätten sehr viel selbstbewusster und stolzer damit umgehen müssen“, sagte er über das in Teilen der SPD lange Zeit umstrittene Konzept zum Umbau der Sozialsysteme und des Arbeitsmarktes. Dass Deutschland so gut durch die Krisen gekommen sei, dafür habe die Agenda 2010 die Grundlagen gelegt. „Wir sind Deppen, dass wir die Agenda immer mit Hartz IV gleichgesetzt haben.“ Damit könne nun Schwarz-Gelb die Rendite einfahren. „In der Verletzung von Urheberrechten sind die einfach besser als wir“, sagte Steinbrück.
Steinbrück war am Vormittag noch Gast bei „SWR Leute“ und besuchte auf Einladung des baden-württembergischen Finanzministers Nils Schmid (SPD) die Kontaktstelle Frau und Beruf in Reutlingen. In jährlich 1500 Beratungsgespräche orientierten sich dort Mädchen und Frauen beruflich neu. Von den Beschäftigten der Einrichtung wollten Steinbrück und Schmid wissen, wo der Schuh drückt. Der SPD-Kanzlerkandidat sprach sich für eine bessere Kinderbetreuung und die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern für die gleiche Tätigkeit aus. „Das geht“, so Steinbrück.
Paul Frank ist der SPD-Kandidat für die Landtagswahl, Vanessa Holly ist Ersatzbewerberin. Paul Frank tritt für die SPD im Wahlkreis 69 (Ravensburg) an, zu dem auch Weingarten gehört.
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