Hartz-IV-Empfänger fühlt sich nur zweitklassig

Veröffentlicht am 20.02.2010 in Presseecho

ISNY (mh) - „Arm durch Arbeit“ heißt das Buch, aus dem Markus Breitscheidel am Freitag in der Gotischen Halle des Isnyer Paul-Fagius-Hauses gelesen hat. Darin beschreibt der Autor, wie es ihm in den 15 Monaten erging, in denen er undercover als Hartz-IV-Empfänger und als Arbeiter im Niedriglohnsektor lebte.

Auf Initiative der SPD Isny hatte das „Soziale Bündnis Isny“ Markus Breitscheidel zu der Autorenlesung eingeladen.

Vor rund 80 Anwesenden las er aus seinem Buch und erzählte ergänzend dazu. Die Veranstaltung wurde durch die Band „Der Dritte Mann“ musikalisch umrahmt. Viele Besucher nutzten die Möglichkeit, nach der Veranstaltung im anschließenden Nacht-Café zu diskutieren. An Stelle eines Eintritts wurde um Spenden für den Kinderschutzbund Isny gebeten. Für sein Buch hatte sich Markus Breitscheidel ein halbes Jahr lang über die deutsche Sozialgesetzgebung informiert, „um letztendlich zu wissen, was ich überhaupt kritisiere“, sagte er. Denn zu kritisieren hat er viel, er hat das Leben in Abhängigkeit vom Staat kennen gelernt. Was er beschreibt, erlebte er am eigenen Leib. Deshalb sei „diese Art der Recherche auch so wichtig, denn da fühlt man, riecht man, schmeckt man, wie es diesen Menschen geht“, sagte er. „Als Hartz-IV-Empfänger sind Sie gesellschaftlich nahezu ausgeschlossen“, berichtete Markus Breitscheidel. Während seiner Recherche habe er sich verändert, was besonders Freunde und Bekannte bemerkt hätten. „Was sich in diesen 15 Monaten besonders abgebaut hat, ist das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen“, sagte er. Durch Armut ändere sich nicht nur das gesamte Leben, sondern auch der Charakter der Menschen. Bei ihm habe es drei Monate gedauert, bis sich das alte Selbstwertgefühl zurückentwickelt hatte. Doch vor der Arbeit stand die Jobsuche. In über 100 Bewerbungsgesprächen, die er im Laufe der Zeit geführt hat, wurde ihm schnell klar, dass er als „Mensch zweiter Klasse“ gesehen wurde. „In meinen Bewerbungsgesprächen, die ich vorher geführt habe, war das immer auf gleicher Augenhöhe, aber hier wurde sofort deutlich gemacht, dass man mindestens eine Stufe, meistens sogar zwei Stufen drunter liegt“, berichtete Breitscheidel. Unter anderem arbeitete er in verschiedenen Städten als Erntehelfer und als Leiharbeiter. Er sei so tief in seiner Rolle gewesen, dass er auch schon „der typische Ja-Sager war, wie jeder Leiharbeiter, wie jeder Mensch im Niedriglohnsektor“.
Positive Erfahrungen habe er während der Recherche nicht gemacht. Er hatte an die ursprünglich geplanten zwölf Monate noch weitere drei Monate angehängt, um noch etwas Positives zu finden „aber ich habe nichts auf den Tisch bekommen“. Sein bester Bruttolohn sei bei 7,50 Euro gelegen und häufig war er von der Aufstockung des Gehaltes durch den Staat abhängig. Die Fernsehberichte über Hartz-IV-Empfänger, die nicht arbeiten wollen, hält er für „sehr fadenscheinig. Wenn man, wie ich, selbst gefühlt hat, wie man sich als Mensch zweiter Klasse in unserer Gesellschaft fühlt, entwickelt man Mitgefühl für den anderen Menschen“, sagte er. „Das ist es, was wir letztendlich in unserem Land dringend benötigen“.

Reformbedürftig

Die Anklage an den aktuellen Zustand unter Leiharbeitern und Arbeitslosengeld-II-Empfängern richtete sich natürlich auch direkt an die SPD, die die Hartz-Reformen mit beschlossen hatte. „Ich denke, die Situation, die heute beschrieben wurde, ist sicher reformbedürftig“, meinte der Isnyer SPD-Ortsvorsitzende Otto Ziegler. „Die Kritik muss man hören und es in der Zukunft besser machen.

Schwäbische Zeitung 08.02.10

 

Homepage SPD Kreisverband Ravensburg

Abgeordnete der SPD

Ortsverein bei Instagram

https://www.instagram.com/spd_wgt/

Unsere Landtagskandidaten 2026

Paul Frank ist der SPD-Kandidat für die Landtagswahl, Vanessa Holly ist Ersatzbewerberin. Paul Frank tritt für die SPD im Wahlkreis 69 (Ravensburg) an, zu dem auch Weingarten gehört. 

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Online spenden

Online spenden

WebsoziInfo-News

26.09.2026 19:01 Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung
Jetzt braucht es einen gemeinsamen Aufbruch für Olympia. München setzt sich durch. Nachdem die Evaluierungskommission die Konzepte von München und KölnRheinRuhr nahezu gleichauf bewertet hatte, haben sich die Delegierten der außerordentlichen Mitgliederversammlung nun für München als deutsche Bewerberstadt entschieden. Wir gratulieren München und allen Beteiligten zu diesem überzeugenden Konzept. Sonja Eichwede, stellvertretende Vorsitzende: „Herzlichen Glückwunsch… Sonja Eichwede und Bettina Lugk zur Olympia-Entscheidung weiterlesen

25.09.2026 19:03 Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing
Umsetzung von EU-Regeln gegen Greenwashing: Koalition schafft pragmatische Lösung für Altwarenbestände Am 27. September 2026 treten neue Regeln in Kraft, nach denen Umweltaussagen in der Werbung oder auf Produktverpackungen jetzt klar und nachvollziehbar belegt werden müssen. Um einen pragmatischen und verhältnismäßigen Umgang mit Altbeständen sicherzustellen, justieren wir nach. Carmen Wegge, rechts- und verbraucherpolitische Sprecherin: „‘Einfach… Wegge/Heselhaus zu EU-Regeln gegen Greenwashing weiterlesen

14.09.2026 17:56 Zollkodex
Jeden Tag kommen Millionen Kleinsendungen aus Drittstaaten in die EU. Die enorme Menge erschwert wirksame Kontrollen erheblich. Allein im Jahr 2024 wurden 4,6 Milliarden Pakete mit einem Warenwert von weniger als 150 Euro in die EU eingeführt – 91 Prozent davon über chinesische E-Commerce-Plattformen. Das sind mehr als doppelt so viele wie noch 2023, als… Zollkodex weiterlesen

Ein Service von websozis.info

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Online spenden

Online spenden

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Online spenden

Online spenden

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Online spenden

Online spenden

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Online spenden

Online spenden