Gernot Erler: „Es wird zu wenig getan“

Veröffentlicht am 27.03.2012 in Bundespolitik

Vorwärts EXTRA im Interview mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion und ehemaligen Staatminister im Auswärtigen Amt über die Situation ein Jahr nach Beginn der arabischen Erhebung.

Vor einem Jahr begannen die Unruhen in Tunesien, Ägypten und Libyen. Hat der Westen die Situation zu lange falsch eingeschätzt und zu sehr auf Stabilität durch autokratische Herrscher gesetzt?

Eindeutig ja. Denn es hat sich jetzt gezeigt, dass solche stabilen Staaten wie Tunesien und Ägypten in nur wenigen Tagen einfach eine Implosion der Herrschaft erlebt haben. Das zwingt den Westen dazu, sich auf einen völlig neuen Begriff von Stabilität dieser Region einzustellen – einschließlich der Unsicherheiten, die durch demokratische Wahlen für politische Mehrheiten in diesen Ländern bestehen.

Bei den Wahlen in Ägypten haben die islamistischen Kräfte einen überwältigenden Wahlsieg errungen. In Libyen droht ein Bürgerkrieg. Haben sich die Erwartungen nicht erfüllt?

Wenn man die Erwartung hatte, dass nur für den Westen bequeme Kräfte bei Demokratie und Wahlen Mehrheiten bekommen, dann muss man die Frage mit ja beantworten. Aber wir haben überall auf der Welt, wo Demokratien sind, auch das Risiko, dass andere als uns sympathische Kräfte Mehrheiten bekommen. Das hätte von vornherein auch bei der arabischen Erhebung klar sein müssen.

Angesichts der schwierigen ökonomischen Situation stellt sich die Frage, ob Europa mehr tun müsste, um die arabischen Umbruchstaaten zu unterstützen. Droht ansonsten nicht eine weitere politische Radikalisierung?

Es wird zu wenig getan. Wir haben schon im April letzten Jahres einen Marschallplan gefordert – einschließlich Marktöffnung für landwirtschaftliche Produkte, einschließlich großzügiger Stipendienprogramme für junge Auszubildende und Studierende und einschließlich von Quoten für gut ausgebildete Leute, die bei uns arbeiten können. Das Schlimmste wäre, wenn nach den Erhebungen des „arabischen Frühlings“ eine junge Generation als erste Erfahrung mit Demokratie Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit machen würde.

In Syrien erleben wir, wie ein Volk verzweifelt gegen seinen Diktator aufbegehrt. Was kann die internationale Gemeinschaft tun, um dem Morden Einhalt zu gebieten?

Aus meiner Sicht gibt es im Augenblick neben dem Druck auf das Regime, der schrittweise erhöht wird, nur die Devise, die Mission von Kofi Annan zu unterstützen. Er ist die letzte Hoffnung, dass ein längerer Bürgerkrieg vermieden wird. Ein besserer Vermittler steht uns in so einer Frage nicht zur Verfügung.

Russland und China haben sich lange gegen eine UNO-Resolution zu Syrien gewandt. Zuletzt haben beide Länder dann jedoch einer Erklärung des Sicherheitsrats zugestimmt. Siehst Du Anzeichen für einen Sinneswandel?

Russland ist erschrocken über die Selbstisolierungswirkung der eigenen Haltung, versucht aber weiter alles, um eine unkoordinierte Ablösung des Assad-Regimes zu vermeiden. Dahinter stecken sehr handfeste wirtschaftliche und geostrategische Interessen. Es macht Sinn auszuloten, welche gemeinsamen Positionen mit Russland

 

Homepage SPD-Landesverband

Abgeordnete der SPD

Ortsverein bei Instagram

 

Instagram:

https://www.instagram.com/spd_wgt/

   

Unsere Landtagskandidaten 2026

Paul Frank ist der SPD-Kandidat für die Landtagswahl, Vanessa Holly ist Ersatzbewerberin. Paul Frank tritt für die SPD im Wahlkreis 69 (Ravensburg) an, zu dem auch Weingarten gehört. 

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Online spenden

Online spenden

WebsoziInfo-News

30.03.2026 18:07 Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken
Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. „Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen

25.03.2026 17:51 Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm
67 Maßnahmen, sieben Ministerien, ein Klimaschutzprogramm Die aktuelle Weltlage mit Konflikten, die sich massiv auf unsere Energieversorgung auswirken, zeigt eindeutig: Wir müssen schnell unabhängig von fossilen Energieträgern werden. Das heute von Bundesumweltminister Carsten Schneider vorgelegte Klimaschutzprogramm zeigt einen fairen Weg zur Erreichung der Klimaziele 2030 sowie für mehr Versorgungssicherheit auf. „Dieses Klimaschutzprogramm ist für die… Jakob Blankenburg zum Klimaschutzprogramm weiterlesen

25.03.2026 17:50 Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts
Ich begrüße die Impulse von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil ausdrücklich. Deutschland steht an einem Wendepunkt. Wir brauchen ein neues Wirtschaftsmodell: eines, das konsequent auf Innovation setzt, technologische Führerschaft ermöglicht und zugleich dafür sorgt, dass Wohlstand in der Breite der Gesellschaft ankommt. „Innovation und Gerechtigkeit sind die Grundlage für nachhaltiges Wachstum und breiten Wohlstand in Deutschland. Deshalb… Eine notwendige strategische Perspektive für die Zukunft unseres Wirtschaftsstandorts weiterlesen

Ein Service von websozis.info

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Online spenden

Online spenden

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Online spenden

Online spenden

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Online spenden

Online spenden

Jetzt Mitglied werden

Jetzt Mitglied werden

Online spenden

Online spenden