Traueranzeige in der Schwäbischen Zeitung vom 18.03.2009
Die Sozialdemokraten trauern um
Ernst Zeiler
Seit 1972 Mitglied, war er von 1974 bis 2008 Ortvereinskassier, von
1980 bis 1984 Gemeinderat und viele Jahre Kreisdelegierter.
Ernst Zeiler hat sich in hervorragender Weise für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und der Region eingesetzt. Durch seinen großen ehrenamtlichen Einsatz, vor allem für seine geliebte Heimatstadt Weingarten, durch seine beispielhafte Hilfsbereitschaft
und Zuverlässigkeit, hinterlässt er eine schmerzliche Lücke.
Wir verdanken ihm viel.
SPD-Ortsverein, Doris Spieß
SPD-Kreisverband, Rudolf Bindig
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Die Schwäbische Zeitung brachte am 18. März 2009 diesen Nachruf:
Mit Ernst Zeiler verliert Weingarten einen äußerst engagierten Bürger
WEINGARTEN - Erst vor wenigen Wochen war Ernst Zeiler zum Ehrenbüttel des Mostclubs "LLL" ernannt worden. Der langjährige Kassier des SPD-Ortsvereins, Stadtrat und Gewerkschaftler ist in der Nacht auf Freitag verstorben. Gestern bei der Beerdigung auf dem Kreuzbergfriedhof erwiesen ihm viele Weingartener die letzte Ehre.
Von unserem Redaktionsmitglied Guy-Pascal Dorner
Dass auf seinem Geburtsschein vom 16. Oktober 1932 die Adolf-Gröber-Straße (heute: Wilhelmstraße) in Weingarten als Ort eingetragen war, erfüllte Ernst Zeiler mit Stolz, denn Gröber war für ihn der Inbegriff bürgerschaftlichen Engagements. Zeiler, aus einem katholischen Elternhaus kommend, tat es seinem Vorbild Gröber gleich: Er engagierte sich auf vielfältigste Weise für die Allgemeinheit - in Weingarten, aber auch darüber hinaus. Der gelernte Gipser hatte früh begriffen, dass "man etwas für den kleinen Mann tun muss": Er vergaß nie, dass in seiner Volksschule von 86 Viertklässlern nur acht der Sprung ins Gymnasium gelang; Haupthindernis für viele war das Schulgeld. 1962 trat Ernst Zeiler in die Gewerkschaft IG Bau ein, wurde 1969 Ortsvereinsvorsitzender und Mitglied im Bezirksvorstand. Konsequenterweise setzte sich Zeiler in den Unternehmen, in denen er sein täglich Brot verdiente, jahrzehntelang als Betriebsrat für die Belange der Beschäftigten ein.
Zu den Sozialdemokraten kam Ernst Zeiler 1972. "Ich trat am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, in die SPD ein", erzählte er später in einem Interview. "Es war die Euphorie, ausgelöst durch Willy Brandt und das Godesberger Programm. Es war eine Zeit des Aufbruchs, und ich wollte mitmachen." Damals bestand der SPD-Ortsverein Weingarten gut zur Hälfte aus Arbeitern und Gewerkschaftlern. Als überzeugter "Weingärtler" trat Ernst Zeiler vehement für die Selbstständigkeit seiner Heimatstadt ein. Bei der Gemeinderatswahl 1975 erzielte Zeiler ein gutes Ergebnis. Ein Jahr zuvor übernahm er die Kasse des Ortsvereines; bis 2008 kümmerte er sich um die Finanzen der Sozialdemokraten.
Gemeinderat von 1980 bis 1984
1980 zog Ernst Zeiler zusammen mit Jürgen Golling, Hermann Kappler, Dr. Wolfgang Marcus, Werner Faulhaber und Günther Bayha in den Gemeinderat ein - nie wieder bis heute erreichte die SPD in Weingarten eine derartige Fraktionsstärke. Besonders der Stadtsanierung nahm sich der "Innenstädtler" an; aber auch die Gründung der Altenbegegnungsstätte "Haus am Mühlbach" unterstützte Ernst Zeiler kräftig. Bei den nachfolgenden Gemeinderatswahlen war er meist erster Nachrücker. Und auch bei der Gemeinderatswahl 2009 wäre er wieder auf der Kandidatenliste gestanden ("Wenn Ihr mich braucht").
Doch auch weit über gewerkschaftliches und politisches Engagement hinaus setzte sich Ernst Zeiler für das Gemeinwohl ein. 1991 bis 1999 war er ehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht in Ulm; zwei Amtsperioden lang wirkte Zeiler als Schöffe beim Landgericht in Ravensburg bei der Urteilsfindung in vielen Fällen mit (sein einprägsamster Fall: im Jahre 2001 der Prozess gegen den früheren SS-Offizier Julius Viel aus Ravensburg).
Natürlich engagierte sich Ernst Zeiler bei den verschiedensten Vereinen seiner Heimatstadt: Bei der Arbeiterwohlfahrt engagierte sich Zeiler an maßgeblicher Stelle. Seit 1972 organisierte er als Mitglied der Schülerfestkommission das Weingartener Kinder- und Heimatfest mit. Und seit 1977 trug er die Farben der Altdorfer Trachtengilde. Natürlich war er auch in der Fasnet engagiert: Seit 1975 gehörte er dem Mostclub "LLL" an. Seitdem hatte er über viele, viele Jahre als Büttel die Verurteilten höchstpersönlich ins Saugatter geleitet. Ein besonderer Freudentag in seinem Leben: Als vor einigen Jahren auf dem Ravensburger Mehlsack die Weingartener Stadtfahne wehte. Erst im vergangenen Jahr trat Ernst Zeiler in den verdienten Büttel-Ruhestand, wurde vor Kurzem bei der diesjährigen Sitzung des Mostclubs zum Ehrenbüttel ernannt.
Unter Anteilnahme vieler wurde Ernst Zeiler gestern zu Grabe getragen. Nun liegt er - wie sein großes Vorbild Adolf Gröber - auf dem Kreuzbergfriedhof Weingarten. Mit seiner Frau Erika, seinen Kindern Doris, Raimund und Dieter sowie deren Familien trauert Weingarten um Ernst Zeiler.
(SZ, erschienen: 18.03.2009)