Hermann Kappler + 5. Mai 2014 Nachruf auf Hermann Kappler
14.4.1920 – 5.5.2014
von Peter Didszun
Hermann Kappler hat tiefe Spuren hinterlassen, nicht nur in Weingarten, wo er gelebt und gewirkt hat, sondern auch darüber hinaus im Kreis Ravensburg. Geboren in Ebenweiler als Sohn einer Bäckerfamilie hat er zunächst den Beruf als Technischer Zeichner ergriffen. Er wurde Soldat im Zweiten Weltkrieg, den er als Kriegsversehrter überlebt hat.
Das Kriegserlebnis hat ihn geprägt. Nicht zuletzt die Ablehnung des Militarismus hat ihn nach dem Kriege zur Sozialdemokratie geführt. Er wurde zum leidenschaftlichen Gegner des Militarismus eine Haltung mit der er in damaliger Zeit in Oberschwaben weitgehend allein war. Er konnte seine Meinung wortgewaltig vertreten, erinnert sich sein Sohn. Trotzdem gab es für ihn keine persönlichen Feindschaften. Er wurde geschätzt auch von Leuten, die seine Meinung nicht teilten.
Unter dem Eindruck der Friedenspolitik Willy Brandts trat er 1971 in die SPD ein. Noch Jahre später, als das “Mahnmal des Ostens“ in Weingarten zu einer Kultstätte der Ewiggestrigen zu werden drohte, konnte er sich in einem Leserbrief zu Wort melden und für die Ostverträge der Regierung Brandt eintreten. Deren Gegner in der ostpreußischen Landsmannschaft erinnerte er daran, dass es Adolf Hitler und Nazi- Deutschland waren, die letztendlich die Verantwortung für den Verlust der ehemals deutschen Ostgebiete zu tragen haben. Er war ein Gegner der Raketenstationierung, den der NATO-Doppelbeschluss Anfang der 80-er Jahre vorsah.
Nach dem Kriege hat Kappler sich beruflich zum Bauingenieur fortgebildet und trat 1963 in den Dienst der Stadt Weingarten, wo er bis zur Pensionierung 1980 im Stadtplanungs- und Hochbauamt tätig wurde. Als städtischer Bediensteter setzte er sich für die Belange seiner Kolleginnen und Kollegen ein. Er war in der Gewerkschaft ÖTV aktiv und wurde Personalrat. Bei seinen Kolleginnen und Kollegen errang er große Beliebtheit. Als Vorsitzender des Personalrats war er bei der Amtsleitung respektiert, weil er seine Anliegen und Forderungen sachlich fundiert und mit Nachdruck vertrat.
Bereits in dieser Zeit war Kappler im Ortsverein Weingarten der SPD aktiv und kandidierte auch auf deren Liste für den Gemeinderat, allerdings ganz weit hinten, denn als Bediensteter der Stadt hätte er ein Mandat gar nicht annehmen können. Aber er brachte seine profunde Sachkenntnis in der Bauplanung in die Beratungen des Ortsvereins ein und die Stimmen, die er für seine Person errang. Als Delegierter des Ortsvereins bei den Kreisparteitagen nahm er auch aktiv an der Willensbildung der Partei teil.
1980 konnte Kappler zum ersten Mal ernsthaft kandidieren und wurde auf Anhieb als vierter von damals sechs SPD-Gemeinderäten gewählt. Die Sanierung der Innenstadt war sein Thema. Dieses Thema verband ihn mit seinem damaligen Kollegen Günther Bayha. Die beiden verband auch eine persönliche und nachbarschaftliche Freundschaft. Der damalige Leiter des Bauamts, sein früherer Chef Richard Bucher, war sein Gegenspieler in der Verwaltung. Schon damals warnte er vor Großprojekten, die die Finanzkraft der Stadt überfordern könnten.
Auch das Anliegen des Schutzes von Mensch und Natur vor den Gefahren der Umweltverschmutzung trieb ihn um. Als Mitglied des Gemeindeverbandes Mittleres Schussental setzte er sich vehement für die Einrichtung der Kläranlage des Abwasserzweckverbands Mariatal ein, um das Wasser der Schussen rein zu halten.
Stadtrat Kappler hatte ein offenes Ohr für die Belange von Bürgern, die es schwer hatten, sich öffentliches Gehör zu verschaffen. So setzte er sich für die Senkung der Gas- und Wasserpreise ein. Er forderte eine sozialere Staffelung der Feuerwehrabgabe, ein Altenpflegeheim für Weingarten und Parkplätze für Behinderte. Ebenso konnte er sich dafür einsetzen, eine schwebehinderte Ärztin im Krankenhaus Vierzehn Nothelfer einzustellen.
Nie hat sich Hermann Kappler gescheut, gegen den Strom zu schwimmen. Das sei die einfachere, aber nicht immer seine Art, wird er 2003 in der Schwäbischen Zeitung aus Anlass seines Rückzugs aus der Kommunalpolitik zitiert. Seine Unbeugsamkeit führte 1989 zu seinem Ausscheiden aus der SPD-Fraktion im Gemeinderat. Zusammen mit Jürgen Golling rief er die Wählervereinigung „Bürger für Weingarten“ ins Leben, für die er von 1990 bis 2002 im Gemeinderat wirkte. Nachdem Jürgen Golling und er noch im Jahre 1984 die Kandidatenliste des SPD-Ortsvereins angeführt hatten, war es ihm unmöglich, die innerparteiliche Bewegung für eine stärkere politische Beteiligung der Frauen mitzugehen und Helga Bayha als Spitzenkandidatin zu akzeptieren.
Dennoch blieb Hermann Kappler der Sozialdemokratie innerlich weiter verbunden. Dem damaligen Vorsitzenden des Ortsvereins Udo Mann verweigerte er die Rückgabe seines Parteibuchs und der Ortsverein war klug genug, sich und ihm ein offizielles Parteiausschlussverfahren zu ersparen. Trotz der politischen Trennung blieb die persönliche Wertschätzung zwischen ihm und den Bayhas. Helga Bayha bewahrt sie ihm über den Tod hinaus. Und der Ortsverein Weingarten verneigt sich mit Respekt vor diesem aufrechten Gesinnungsgenossen.
22.06.2014 Peter Didszun, SPD-Ortsverein Weingarten