DGB-Chef Michael Sommer war in Biberach

Veröffentlicht am 31.01.2008 in Bundespolitik

Hauptredner beim SPD-Neujahrsempfang am 29. Januar in Biberach war DGB-Chef Michael Sommer. Mit freundlicher Genehmigung der SZ bringen wir deren Beitrag vom 1.2.2008

Michael Sommers Kritik erntet Applaus

BIBERACH - Seltener Besuch in Biberach: Michael Sommer, Bundesvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, hat beim Neujahrsempfang des SPD-Kreisverbands in der Gigelberghalle gesprochen. Von den gut 200 Zuhörern - darunter nicht nur Genossen - erntete er für seine Positionen reichlich Applaus.

"Ein Sommertag mitten im Winter" hat Bundestagsabgeordneter Martin Gerster den Dienstag genannt und bezog sich damit nicht auf die flotten Rhythmen, mit denen eine Trommelgruppe der Schwarzbachschule und der Heggbacher Einrichtungen beim Neujahrsempfang des Kreisverbands der SPD einheizte, sondern auf den Hauptredner des Abends. Doch bevor der DGB-Vorsitzende zu Wort kam, waren nach Gerster zunächst Oberbürgermeister Thomas Fettback und Stefan Hammer, Betriebsratsvorsitzender im Laupheimer Airbus-Werk, an der Reihe. Letzterer sprach über die aktuelle Situation der Arbeitnehmer des Werks: "Gelobt, verraten und verkauft - so fühlen sich die Mitarbeiter."

"Man fragt sich, ob Menschen, die zum Teil mit hohen Abfindungen gehen, weil sie versagt haben, tatsächlich glauben, dass sie das 44-fache eines Facharbeiters wert sind", sagte DGB-Vorsitzender Sommer - nicht nur mit Blick auf Airbus. "Die einzigen, die sich nicht bedienen dürfen, sind die, die den Reichtum erwirtschaften: die Arbeiter."

Betonte Sommer in seiner Rede zunächst die politische Unabhängigkeit der Gewerkschaften, streifte er dann zahlreiche aktuelle politische Themen --von Managergehältern bis zum Wahlkampf Roland Kochs. Seine Meinung zur Regierungsbildung in Hessen allerdings wollte er für sich behalten.

"Perspektiven schaffen"

Mit Blick auf die Jugendkriminalität forderte der Gewerkschafter "Perspektiven für Menschen zu schaffen". Auch sprach er sich aus für mehr "Ehrerbietung" gegenüber "Menschen, die sich ehrenamtlich oder hauptberuflich für das Gemeinwohl in Gewerkschaften, in Sportvereinen oder in einer Partei engagieren" und forderte die Einführung von Mindestlöhnen: "Es gibt 2,5 Millionen Menschen in diesem Land, die weniger als 1200 Euro brutto verdienen. Das sind Menschen, die jeden Morgen aufstehen und treu und brav zur Arbeit gehen und am Ende des Monats nicht genug Geld haben, um davon zu leben. Hier sind zunächst die Gewerkschaften gefordert, aber da, wo das nicht reicht, brauchen wir einen Mindestlohn." Weiter warnte Sommer vor Altersarmut, kritisierte die "Rente mit 67" und sprach sich für das umlagefinanzierte öffentliche Rentensystem aus.

Schließlich ging Sommer auf die europäische Einigung ein. Sie sei "die große Chance, aber nicht, so wie es jetzt läuft, als undemokratisches Europa der Konzerne und des Kapitals." Für ein demokratisches Europa müsse man, "endlich anfangen, die Europawahlen ernst zu nehmen", sagte Sommer am Ende seiner Rede. Noch einmal erntete er Applaus.

Schwäbische Zeitung 01.02.2008

 

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