Der Entwicklung voraus - Großer Festakt zum 60jährigen Bestehen der Landes-SPD

Veröffentlicht am 24.06.2012 in Landespolitik

"Ich wünsche mir nach 80jähriger Mitgliedschaft einen Ehrensold. Denn meine SPD ist ja ständig in Geldnöten, da kann sie von mir einen Ehrensold bekommen" Angesichts dieses wachen Humors und einer Vielzahl reichhaltiger Anekdoten hatte Herbert Schiela auf dem Festakt der SPD Baden-Württemberg zum 60jährigen Bestehen der Landespartei schnell alle Sympathien auf seiner Seite. Der heute 97jährige ist seit sage und schreibe 80 Jahren Mitglied der Sozialdemokratie  - und wurde von Landeschef Nils Schmid für seine feste Treue unter stehendem Beifall der 400 anwesenden Gäste geehrt.

 

Beim großen Festakt in Villingen-Schwenningen – jenem Stadtverbund, der sowohl in Baden als auch in Württemberg liegt – hat die Landes-SPD unter souveräner Moderation von Generalsekretärin Katja Mast der Gründung des einheitlichen SPD-Bezirks Südwest gedacht, wie er auf dem Vereinigungsparteitag am 7./8. Juni 1952 in Stuttgart vollzogen wurde. Nils Schmid schlug in seiner Ansprache den Bogen von den Grundwerten der SPD hin zur aktuellen Tagespolitik. „Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität – das sind für uns nicht irgendwelche Worte. Sie sind das Leitmotiv der sozialdemokratischen Erzählung. Unsere Aufgabe ist es, dieser stolzen Erzählung immer neue Kapitel hinzuzufügen.“

 
Der SPD-Chef nannte exemplarisch die Weichenstellungen in der Landesregierung für den Aufstieg durch Bildung, die Schaffung eines Musterlands für Gute Arbeit und die Überzeugung, dass wirtschaftliche Stärke und soziale Sicherheit zwei Seiten derselben Medaille sind. „Um Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität in konkrete Politik zu übersetzen, brauchen wir einen handlungsfähigen Staat", erklärte Nils Schmid.
 
Der Vorsitzende der Historischen Kommission, Gernot Erler, benannte eindrucksvoll die zentralen Stationen in der Geschichte der Landespartei. Er betonte, die SPD war „die entschlossenste und geschlossenste“ Partei, als es darum ging, bei der Volksabstimmung 1951 für die Gründung des neuen Südweststaats zu werben: „Im Gegensatz zur SPD war die CDU heillos zerstritten. Wenn sich andere heute Baden-Württemberg-Partei nennen, dann ist das ein Anspruch, der auf mangelnden Geschichtskenntnissen beruht.“
 
Der Freiburger Bundestagsabgeordnete hob weitere Höhepunkte in der Parteigeschichte hervor – etwa die führende Rolle der Landes-SPD als Wegbereiterin des Godesberger Programms 1959, die „Riesenleistung“ von Innenminister Walter Krause bei der Gebiets- und Verwaltungsreform in den 70ern oder die Heranführung der Partei an die Öko- und Friedensbewegung durch Erhard Eppler. „Die Südwest-SPD war in vielen Themen der Entwicklung voraus“, so Gernot Erler.
 
Herbert Schiela, der geehrte 97jährige Genosse, gab den Gästen am Ende der Veranstaltung noch eine Botschaft mit auf den Weg. Vor seinem Eintritt in die Partei sei er als engagierter Jungspund im Reichbanner Schwarz-Rot-Gold gefragt worden: „Warum bist Du eigentlich nicht in der SPD?“ Seine Antwort: „Weil mich noch niemand gefragt hat.
 
Foto: Christian Soeder
 

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