Blutfreitag 2013: Helga Bayha trifft Kardinal Woelki

Veröffentlicht am 21.05.2013 in Ortsverein

Helga Bayha, Kardinal Woelki, Ute Sanner (v.l.n.r.) Foto privat

Schwäbische Zeitung vom 18.05.2013

"Theologische Spitzfindigkeiten sind für Laien irrelevant“

Die frühere Weingartener SPD-Gemeinderätin Helga Bayha gibt Erzbischof Woelki den Wunsch nach einer ökumenischen Eucharistie mit

Von Daniel Drescher

Weingarten - Es war eine Begegnung, die Helga Bayha nicht so schnell vergessen wird – und Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki auch nicht, so hofft die Weingartenerin. Die Frau, die 22 Jahre für die SPD im Gemeinderat Weingartens saß, ist dem Geistlichen beim Blutritt am Freitag vor einer Woche begegnet. „Ich habe ihm ein Kompliment für seine Predigt gemacht“, sagt die Weingartenerin. Woelki hatte am Vorabend des Blutfreitags in seiner Festpredigt über das Christsein in der Welt gesprochen. Sein Credo für Engagement in der Gesellschaft stieß auf ein positives Echo. Aber Helga Bayha wollte nicht nur Lob loswerden – sie gab Woelki auch ein Anliegen mit. „Ich habe ihn gefragt, wann Protestanten und Katholiken gemeinsam Eucharistie feiern können.“ Denn bisher verhindern theologische Grenzen ein gemeinsames Abendmahl trotz bereits gelebter Ökumene.

Woelkis Antwort sei entsprechend gewesen. „Er erklärte mir, warum das zur Zeit nicht möglich ist.“ Dabei habe er theologisch argumentiert und habe den Bogen zurück bis zu Martin Luther gespannt. Helga Bayha ging trotzdem mit einem guten Gefühl aus dem Gespräch. „Er war offen und freundlich, hat sich angehört, was ich gesagt habe und darüber nachgedacht.“ Sie ist optimistisch, dass solche Rückmeldungen aus der Basis der Kirche irgendwann auf fruchtbaren Boden fallen.

„Die theologischen Spitzfindigkeiten sind für die Laien irrelevant“, findet die Protestantin Bayha. „Jesus hat Dogmen über Bord geworfen“, sagt sie. Das Neue Testament stehe für Versöhnung und Liebe. „Leider zieht sich die Kirche aber in dieser Frage des gemeinsamen Abendmahls hinter Dogmen zurück.“ Wenn es keine gemeinsame Eucharistie geben könne, müsse man alternative Formen finden, um Protestanten und Katholiken den gemeinsamen Gang zum Altar zu ermöglichen. „Versöhnungsmahl“ könnte so etwas dann heißen, sagt die 71-Jährige.

Optimistisch stimmt die engagierte Frau auch, was jüngst beim Regionalforum der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Spaichingen zu hören war. „Ich bin zuversichtlich, dass wir in absehbarer Zeit eine Lösung finden, die Eucharistie für evangelische Ehepartner zu ermöglichen“, sagte Domkapitular Heinz Detlef Stäps dort (die SZ berichtete). Hinter dieser Haltung steht auch Bischof Gebhard Fürst, der ebenfalls beim Blutritt war. Helga Bayha findet: „Eigentlich machen wir es ohnehin schon, aber wir wollen den Segen der Kirche dazu.“

(Erschienen: SZ vom 18.05.2013)

 

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