Anne Jenters Wahlziel lautet 33 plus X

Veröffentlicht am 08.03.2009 in Presse im Wahlkreis

Die Chance, dass Anne Jenter (SPD) das Direktmandat im Wahlkreis Ravensburg bei der nächsten Bundestagswahl holt, ist verschwindend gering. Ihr Landeslistenplatz 33 ist bei den derzeitigen Umfragewerten der Sozialdemokraten beinahe aussichtslos. Dennoch will die 55-jährige Gewerkschafterin engagiert Wahlkampf betreiben.

Der Ravensburger CDU-Politiker Andreas Schockenhoff hat das hiesige Direktmandat seit 18 Jahren inne und sitzt, seit er sich gegen seinen parteiinternen Gegenkandidaten Eugen Abler durchgesetzt hat, wieder fest im Sattel. Unwahrscheinlich, dass in der oberschwäbischen CDU-Hochburg eine bis dato völlig unbekannte Kandidatin von außerhalb gewinnt. Vor vier Jahren versuchte das der aus Ravensburg stammende, in Berlin wohnende Jurist Harald Georgii - und holte nur 27,3 Prozent der Stimmen. Obwohl zumindest sein Vater als früherer Landgerichtspräsident und Ravensburger SPD-Stadtrat über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügte, blieb Georgii im Wahlkampf blass.

Anne Jenter sieht ihre Chancen durchaus realistisch. "30 Prozent + x" sei ein Ergebnis, mit dem sich die 55-Jährige anfreunden könnte. Die langjährige Hauptschullehrerin stammt aus Balingen und ist Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Frankfurt, dort speziell zuständig für Frauenpolitik, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Seniorenpolitik und Antidiskriminierung. Sie ist verheiratet, kinderlos und möchte sich im Fall ihrer Wahl schwerpunktmäßig um Gleichstellungspolitik für Frauen kümmern.

Gleicher Lohn für Männer und Frauen in gleichen Positionen, Mindestlohn statt Minijobs ohne Stundenbeschränkung, eine Quote für Frauen in Führungspositionen - auch in der privaten Wirtschaft - für diese politischen Ziele will sich die Gewerkschafterin einsetzen, falls sie es in den Bundestag schafft. Und regional? "Wenn ich mit dem Zug hierher fahre, merkt man, wie es plötzlich langsamer wird" plädiert sie für eine Elektrifizierung der Südbahn. Und dass die BF30 bei Weißenau "einfach aufhört", versteht sie ebenfalls nicht. Zumindest die vierspurige BF30. "Wir müssen aufhören, die Peripherie so abzuhängen."
Während ihr Hauptkonkurrent Schockenhoff das vermutlich ähnlich sieht, gibt es doch auch Positionen, bei denen sich die Gewerkschafterin stark abgrenzt. "Ich vermute, Herr Schockenhoff vertritt eher das traditionelle Familienbild", meint sie vorsichtig, und ist wieder bei ihrem Lieblingsthema: gleiche Chancen für Männer und Frauen.

Im öffentlichen Dienst habe das Gleichstellungsgesetz immerhin zu einem Anteil von 20 Prozent Frauen in Führungspositionen geführt. In Norwegen gebe es eine Quote von 40 Prozent Frauen in Aufsichtsräten. "Erfüllt ein Unternehmen das nicht, wird es sanktioniert, indem es keine staatlichen Aufträge bekommt." In Frankreich sei es völlig normal, dass sich Frauen und Männer gleichmäßig um die Kinder kümmern würden.

Wahlkampf beim Wandern

Derzeit besucht Jenter nacheinander alle SPD-Ortsvereine. Die Landschaft, besonders das Westallgäu, begeistern die leidenschaftliche Wanderin. Sie möchte in der heißen Phase des Wahlkampfs, für die sie ihren Jahresurlaub opfert, "Politisches Wandern mit Anne Jenter" anbieten. Mit Strecken im ganzen Wahlkreis. Außer Wandern zählt sie Fotografieren und Lesen zu ihren Hobbys.

Doch dafür bleibt in diesem Jahr wohl kaum Zeit.

Schwäbische Zeitung vom 02.03.2009

 

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