Positive Veränderungen sind den Genossen wichtig
Unter dieser Überschrift brachte die Schwäbische Zeitung am 27.05.2013 folgenden Beitrag über die Arbeit der Weingartener SPD:
Doris Spieß und Rudolf Bindig aus Weingarten über Sozialdemokratie in der Welfenstadt
Von Daniel Drescher
WEINGARTEN - 150 Jahre Sozialdemokraten – ganz so lange sind Rudolf Bindig und Doris Spieß nun wirklich noch nicht dabei, auch wenn sie als Urgesteine der regionalen Kommunalpolitik gelten. Jedoch: Die beiden SPD-Mitglieder bringen es immerhin knapp auf die Hälfte dieser Zahl, wenn man ihre Jahre in der Partei von Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder addiert. 72 sind es. Doris Spieß, Vorsitzende des Weingartener SPD-Ortsvereins, trat 1987 ein. Für viele eine Überraschung damals, kam sie doch aus einem konservativen Elternhaus.
Bereits 20 Jahre früher trat Rudolf Bindig den Sozialdemokraten bei. „Ich bin mit dem Kopf zur SPD gekommen“, sagt Bindig. Für Doris Spieß spielte auch die Prägung durch ihren Großvater eine Rolle, der sich selbst als politischen Menschen verstand. „Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir es selber machen“, formuliert Spieß ihr Credo. Stichwort Veränderung: Das politische Engagement brachte auch persönliche Dinge mit sich. „Über die SPD haben wir uns kennengelernt“, sagt Rudolf Bindig über sich und seine Partnerin.
Auf allen Ebenen aktiv
Während Rudolf Bindig durch sein Engagement im Bundestag 1976 bis 2005 vor allem Erinnerungen an die bundesweite Politik gesammelt hat und seit 2009 für die SPD im Kreistag vertreten ist, fühlt sich Doris Spieß vor allem der Kommunalpolitik verpflichtet. Bei den Genossen fühlt sie sich gut aufgehoben, es sei ein gutes Miteinander. „Die SPD, das sind ja nicht nur wir beide“, sagt Spieß. Namen wie Siegfried Börner fallen ihr ein, der vor zwei Jahren vom SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel für 65 Jahren Mitgliedschaft geehrt wurde – an seinem 85. Geburtstag. Als die Weingartener SPD 2007 ihr 100-jähriges Bestehen feierte, erschien eine Broschüre, die die Geschichte des Ortsvereins genau nachzeichnet. Darin werden auch viele Schlüsselfiguren der Sozialdemokratie in der Welfenstadt honoriert.
Doris Spieß ist 22 Jahren im Weingartener Ortsverein aktiv. 1994 wurde sie erstmals in den Gemeinderat gewählt, dem sie seitdem ununterbrochen erhalten geblieben ist. Nun gilt Kommunalpolitik oft als der kleine, pragmatischere Bruder der Bundespolitik: Wenn es um Belange der Städte und Gemeinden geht, werden unter Umständen auch Konservative zu Ökologen, umgekehrt stimmen auch mal Naturschützer zugunsten wichtiger Wirtschaftsprojekte. Was bedeutet es, als Sozialdemokrat im Gemeinderat mitzuwirken, und wie hebt man sich von anderen ab? „Wir fühlen uns in erster Linie den Bürgern verpflichtet“, sagt Spieß. Von denen sei man schließlich auch gewählt. Wenn es etwas zu kritisieren gebe, ducke man sich nicht weg.
Rückblickend gibt es einige Projekte, die sich die SPD als Erfolge anrechnet. Neben Kindernest und Haus am Mühlbach fallen Doris Spieß auch noch andere Meilensteine ein. So sammelten die Sozialdemokraten 2004 Unterschriften, als das Weingartener Polizeirevier mit dem Ravensburger zusammengelegt werden sollte. Als Errungenschaft feiern die Sozialdemokraten auch eine Änderung in der Satzung der Vergnügungssteuer, wodurch pro Jahr mehrere hunderttausend Euro mehr in die Stadtkasse flössen, so Bindig. Auf alten Lorbeeren wollen sich Doris Spieß und ihre Fraktionskollegen aber nicht ausruhen. Derzeit brennen ihnen die Themen Verkehrsberuhigung und Kreisverkehre unter den Nägeln, wie auch in der Gemeinderatssitzung kürzlich bei der Diskussion über den Umbau der Argonnenkreuzung deutlich wurde.
In Weingarten sei die SPD verwurzelt und anerkannt. Die Parteigänger seien Mitglieder auch in anderen Weingartener Vereinen. Nicht nur das 150-jährige Bestehen, das am Sonntag in Weingarten gefeiert wurde, beschäftigt die Mitglieder vor Ort. Auch die Bundestagswahl im September wirft ihre Schatten voraus.
(Erschienen: Schwäbische Zeitung vom 27.05.2013)